Zeitungsartikel
Das ist eine Ehrung für uns als Team lesen
"Marco Kretschmer ist Bezirksliga-Trainer des Jahres
Mitte. Erfolg auf der ganzen Linie Die Fußballer von Blau-Weiss Berolina Mitte feierten überraschend den Aufstieg in die Landesliga.
Darüber hinaus wurde Berolina-Coach Marco Kretschmer (32) zum Bezirksliga-Trainer des Jahres gewählt. Mit Marco Kretschmer
sprach Winfried Weber über den Schlüssel zum Erfolg.
Man hat Sie zum Trainer des Jahres in der Bezirksliga gewählt. Was bedeutet diese Ehrung für Sie?
Marco Kretschmer: Diese Auszeichnung geht an das ganze Trainerteam mit Marcel Jahn, Denis Rekowski und meine Wenigkeit.
Sie ist die Anerkennung für das, was wir alle, die Spieler, die Trainer, die Betreuer an Arbeit und Zeit investiert haben.
Haben Sie nach Bekanntwerden verstärkt Anfragen von Clubs erhalten?
Marco Kretschmer: Nein, da hat niemand angeklopft. Das liegt allerdings auch daran, dass man unsere Verbundenheit
zu Bero Mitte kennt. Außerdem ist der Schlüssel zum Erfolg, genau diese Konstellation Jahn - Rekowski - Kretschmer, gewesen.
Unsere volle Konzentration liegt jetzt darin, diesen Verein in der Landesliga zu halten und hoffentlich zu festigen.
Die letzte Saison hatte es in sich. Der SV Blau-Weiss Berolina Mitte schreibt Berliner Fußball-Geschichte:
Aufstieg in die Landesliga – das erste Mal in der Vereinsgeschichte. Damit hatte keiner gerechnet. Wie war das möglich?
Marco Kretschmer: Wir wussten alle, dass in unserer Mannschaft mehr steckt, als sie in den letzten Jahren gezeigt
hat. Wir haben die Stimmung hochgehalten, indem wir gesagt haben: Jedes Saisonspiel ist für uns ein Highlight. Und am Ende hat
es funktioniert.
Mit welcher Zielstellung gehen Sie in die kommende Saison?
Marco Kretschmer: Wir werden an unserem Erfolgsrezept festhalten. Wir messen uns jetzt mit einigen sehr attraktiven
Berliner Traditionsteams, auf die wir uns sehr freuen. Unsere Devise bleibt: Wir werden jedes Saisonspiel als Highlight angehen.
Gegen Ende der vergangenen Saison erlebte Blau-Weiss einen richtigen Zuschauer-Boom. Bis zu 400 Zuschauer warenbei
den Heimspielen. Für Berliner Verhältnisse und die Bezirksliga ist das eine unwahrscheinliche Zahl. Wie erklären Sie sich das?
Marco Kretschmer: Das ist die Berolina-Familie. Ich kenne das schon aus meiner Zeit als junger Spieler. Berolina
konnte, sobald es für die 1. Herren um etwas ging, unheimlich viele Zuschauer mobilisieren. Da ist dann eine wahnsinnig tolle
Atmosphäre auf dem Platz.
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Das Tor steht in der Mitte* oder: Auch wer über links kommt, hat einen rechten Fuß lesen
"Zwei- bis dreimal die Woche versucht Mutta mittels Bauknecht, Siemens & Co und eines flüssigen Vollwaschmittels die Stutzen
des Kindes von lästigen gelbgrünen Plastikhalmen zu befreien. Diese Halme sind nicht nur extrem anhänglich, sie erobern in der
Lauge auf wundersame Weise auch die benachbarten schwarzen Baumwollsocken und dunkelblauen Seemannspullover.
Abgesehen von dem wöchentlichen Rasenkrieg ist Mutta ein großer Fan des kleinen Fußballvereins um die Ecke, dem eigentlichen
Verursacher ihrer lawn fashion. Das Kind dribbelt dort mit anderen Rotznasen nachmittags die Bälle um den Pfosten, geduldig
angeleitet von älteren Herren mit lustigen T-shirt-Aufdrucken. Die Stimmung ist immer freundlich, und wenn die Sonne auf den
Platz scheint, samstagmorgens um acht, dann ist Mutta sogar mit dem Frühaufstehen für das Zwergenturnier versöhnt.
Der Platz, liebevoll „Bero“ genannt, ist ein Kleinod in Mitte. Immobilienspekulanten zum Trotz behauptet sich das „Filetstück“
seit Jahren zwischen all den tiptop sanierten Altbauten und Wohnklötzen neueren Datums, mitten im angesagten Galerienviertel.
Während das Kind Elfmeter übt, hüpfen ab und zu ausgelassene Statisten in Kapuzenjacken über den benachbarten Tartanboden, aufgenommen
von ambitionierten Filmemachern Schrägstrich Künstlern. Illustre Vereinsmitglieder gibts allemal – die Autonama, die
Fußball-Nationalmannschaft der Autoren, ist geschlossen Mitglied geworden und trainiert auf dem beinharten Kunst-Rasen. Erst kürzlich
stieg sogar die Herrenmannschaft in die Landesliga auf – beim „wichtigsten Spiel seit 62 Jahren“ (s. Spiegel 21/2011).
Die alljährlichen Fussballcamps für die Jüngsten sind mittlerweile dermaßen überlaufen, dass der Verein keine Werbung mehr dafür machen
muss. Es gibt Kickertricks, Grillwurst, Badespaß im Monbijou und Fussballabzeichen. Und am Ende als Erinnerung ein zu großes T-shirt mit
Aufdruck. Kinderglück pur und neue Freunde für den Sommer.
Kürzlich verfing sich Mutta mit einem Vater aus Charlottenburg in einer Diskussion über Sinn und Unsinn von Fußballvereinen. Der Vater, dessen
fußballverrückte Bande hinter Muttas Rücken herumbolzte, sprach sich vehement gegen „Vereinsmeierei“ aus. Auf konkrete Nachfragen
argumentierte er mit dem Gebrüll und der Vermittlung einer gewissen leistungsorientierten Ideologie, die nicht seine wäre und der seine
Kinder sicher nicht unbeschädigt entkommen könnten. Brüllende Trainer, die mit Liebesentzug und Beschimpfungen ihre Spieler antreiben, gibts
glücklicherweise nicht wie Sand am Meer, dennoch hat Mutta rare Exemplare dieser Gattung bei Turnieren mit bezirksfernen Vereinen entdecken
können. Wild mit den Armen rudernd machen sie den kleinen Marlon/Hussein/Jan-Heinrich von der Seitenlinie aus wortgewaltig zeternd zur Schnecke,
während dieser orientierungslos im Strafraum herumstolpert. Bero-Eltern verdrehen da nur die Augen und schließen Marlon/Hussein/Jan-Heinrich in
ihr Gebet an die Fußballgötter ein.
Bei dem Verein des Kindes herrscht kein Erfolgsdruck, jeder wird beim Spiel eingesetzt, die Trainer sind entspannt und nur bei äußersten
Ungerechtigkeiten fremder Schiedsrichterspielertrainer gefährlich schnell am Ausrichtertisch. Ihre Positionen haben die Kinder in der Mehrzahl
schon für sich entdeckt: ob als Stürmer, Abwehr oder Torwarte, sie kämpfen bis zum Abpfiff, auch bei Wolkenbruch. Alle anderen probieren sich mal
hier, mal da aus, oder hüpfen quer durchs Mittelfeld. Einer bringt immer seinen goldenen Ball mit, denn auch für Individualismus ist Platz.
Bisher sind sie noch nie Letzter beim Turnier geworden. Es gab immer Erfolge, auch bei Turnieren ohne eigene Tore. Die Super-Vorlage oder ein tolles
Dribbeling machen auch Fußballzwerge stolz, und eine Niederlage ist spätestens beim Sandmännchengucken vergessen.
Natürlich gibt es sie auch hier, die Ehrgeizigen. Eltern natürlich. Ab F-Jugend-Level müssen die Trainer auch mal zum Elternabend laden, um sich
mit den Gefühlen eher ergebnisorientierter Papis auseinanderzusetzen und ihnen nahezubringen, dass Spielaufstellung und Einsatzplanung Trainersache
sind. Selbst hippe Mitte-Väter werden dann mit ihrem Cappuccino-to-go und Zukunftsträumen hinter die Zuschauerlinie verwiesen.
Der Verein des Kindes muss sich keine Sorgen machen, die Mitgliederzahlen steigen und sogar die alten Helden aus der Zeit vor dem Zusammenschluß der
„BSG Medizin Mitte“ und „BSG Motor Berolina Mitte“ aus den 50er und 60er Jahren finden laut Vorstand Meyer zurück auf den Platz. Eine neue Genration
von Fussballverrückten wächst auf dem Bero auf, mit Kindern aus der Nachbarshaft, aus Luxusloft und Platte. Dass der Verein das leistet, Gemeinschaft
herzustellen und die Unterschiede zu respektieren, ist sein großes Verdienst. Der Kultstatus ist nicht mehr aufzuhalten.
Das Kind ist stolz wie Bolle, als es nach einem Fussballjahr sogar einen „echten“ Pokal bekommt und – ein zu großes T-shirt. Diskret reißt Mutta das
Schild vom Pokaldiscount.de herunter. Wichtiger ist die eingefräste Widmung der Trainer, die sich ein Jahr geduldig Mühe mit den Gören gegeben haben.
Anfangs war da, wo der Ball war, nur heilloses Gewusel, jetzt kennen sie schon Spielzüge.
Bald sind Ferien, trainingsfreie Zeit. Noch mehr als acht Wochen bis zum nächsten Punktspiel. Bis das Kind, Arm in Arm mit den Mitkickern, den „Sportgruß“
brüllt: „Blau ist der Himmel, weiß die Wolke sieben, auf der wir Fußball spielen. Blau Weiss Berolina Mitte. Olé!!“
*Franz Beckenbauer
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Wie ein Iglu in der Wüste lesen
"Aufsteiger Berolina Mitte geht mit einem Trainer-Trio in die Landesliga
Bei Bero mit seinen rund 900 Mitgliedern spielen Kinder gut situierter Neu-Berliner gemeinsam mit denen, deren Eltern Schwierigkeiten
haben, die Schuhe zu bezahlen. Als "gut durchmischt" bezeichnet Ledwig die gesellschaftliche Zusammensetzung des Klubs, der im Frühjahr
dem "Spiegel" einen Artikel wert war. "Immer da" lautete die Überschrift.
"Neu da" heißt es in sportlicher Hinsicht. Berolina Mitte spielt erstmals in der Landesliga. Dass es soweit kam, war selbst für die
Vereinsverantwortlichen überraschend. Die ungewöhnliche Idee, mit einem Trainer-Trio in die Saison zu gehen, erwies sich als Volltreffer.
Und das Vertrauen in Trainer und Mannschaft ist so groß, dass die Aufstiegsmannschaft nur minimal ergänzt wurde. "Substanz und Potenzial
sind vorhanden, da ist ein bisschen mehr als nur der Klassenerhalt drin", sagt Ledwig. Rückschläge zu Beginn hat er dabei durchaus
eingeplant: "Wir haben viele junge Spieler. Denen wird erst einmal die Düse gehen."
Das könnte jedoch auch den Gegnern bei Bero passieren. 400 Zahlende waren dabei, als das Team aufstieg. Dafür braucht manch anderer
Landesligist fast eine Saison.
Sebastian Schlichting
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Das sind die Trainer des Jahres lesen
"Die Wahl unter fussball-woche.de erfährt großen Zuspruch - insgesamt gingen während der zweieinhalbwöchigen Abstimmung fast 45.000
Stimmen ein. Die drei Sieger im Portrait.
Erstmals veranstaltete die Fußball-Woche in diesem Jahr die Wahl zum Trainer des Jahres in den drei Berliner Topligen. Eine Aktion, die
sicherlich wiederholt werden wird – denn insgesamt gingen während der zweieinhalbwöchigen Abstimmung unter www.fussball-woche.de fast
45.000 Stimmen ein. Die meisten davon verzeichnete die Landesliga (20.804), dicht gefolgt von der Berlin-Liga mit 18.999. Die Bezirksliga
kam auf 5.483 Stimmen. Hier die Sieger im Portrait:
[...]
Bezirksliga: Marco Kretschmer (Berolina Mitte/ 3.346 Stimmen)
Vom Trainerneuling zum Trainer des Jahres: Marco Kretschmer blickt auf ein unglaubliches Jahr zurück. Vor zwölf Monaten hängte der gelernte
Versicherungsfachmann seine Fußballschuhe an den Nagel, wechselte ins Trainermetier – und räumte in seiner Premierensaison als Coach so
ziemlich alles ab, was es abzuräumen gab: Aufstieg in die Landesliga, Meistertitel und nun noch die Auszeichnung „Trainer des Jahres“. „Das
ist eine coole Sache“, sagt der 32-jährige Coach von Berolina Mitte, fügt aber sogleich hinzu: „Ich sehe diese Auszeichnung als Auszeichnung
für die ganze Mannschaft.“
Das ist nicht einfach so daher gesagt. Kretschmer ist ein absoluter Teamplayer. Er wäre der Letzte, der den Aufstiegscoup, den größten
Erfolg in der 62-Jährigen Vereinsgeschichte von Berolina Mitte, nur auf sich beziehen würde. „Ich bin zwar die Hauptperson, aber die Arbeit
wurde von vielen Schultern getragen, in erster Linie sind da meine Co-Trainer Marcel Jahn und Denis Rekowski zu nennen“, sagt Kretschmer.
Lajos Metzel
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Auf eigenem Platz eine Macht lesen
"Berolina Mitte II schafft wie die 1. Mannschaft den Aufstieg – Viele Zuschauer
In der Saison 2009/10 vergab BW Berolina Mitte II den sicher geglaubten Aufstieg noch in den letzten
beiden Spielen. Diesmal holte die Mannschaft von Trainer Uwe Ledwig das Verpasste souverän nach: Seit
dem 8. Spieltag lag die Mannschaft in der Kreisliga B (4. Abteilung) auf einem Aufstiegsplatz. Am
letzten Spieltag wurde dann vor 250 Zuschauern durch ein 2:2 gegen TSV Lichtenberg II der Staffelsieg
perfekt gemacht.
„Unsere größte Stärke war die Defensive“, bilanziert Ledwig das Aufstiegsjahr. „Unsere größte
Schwäche dagegen die Chancenverwertung, nur etwa ein Drittel der 100-prozentigen haben wir genutzt.“
Immerhin reichte dies zu 96 Treffern. Und eigentlich waren es exakt 100, doch das Spiel gegen
Göktürkspor (4:2) wurde wegen des Rückzugs der Reinickendorfer nachträglich gestrichen. Derweil
kassierte die Berolina-Reserve nur 40 Gegentore.
Nicht schlecht für eine Mannschaft, die Ledwig als „Studententruppe“ bezeichnet. Das hat natürlich den
Nachteil, dass der eine oder andere nicht immer zur Verfügung stand. Und eine Stütze wie Boutesbkout
musste am Saisonende an die „Erste“ abgegeben werden. Die stieg ebenfalls auf und spielt nunmehr in
der Landesliga. So liegen zwischen beiden Teams nach wie vor nur zwei Spielklassen. Gemeinsam ist
beiden Mannschaften aber, dass es „kein Geld gibt“.
Berolina lebt vor allem vom Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft. Das soll in der Kreisliga A
natürlich so bleiben. „Es geht keiner weg“, freut sich Ledwig. „Und es sind schon am Ende der Serie
einige neue Spieler dazu gekommen, die gut eingeschlagen haben.“ Sie sollen mit dafür sorgen, dass in
der neuen Saison das Ziel Klassenerhalt verwirklicht wird.
Das Potenzial dafür ist vorhanden. Denn die junge Mannschaft ist in dieser Saison gereift, so manches
Spiel wurde noch umgebogen. Und wenn auch die Gegner meinten, dass die Blau-Weißen eigentlich gar
keine Übermannschaft waren, so reichte es dennoch meist zu klaren Erfolgen. Entscheidend war dabei
vielfach der beeindruckende Kampfgeist. Glanzlichter setzte vor allem Regisseur Strohwald. Und einen
vor dem Tor derart gefährlichen Akteur wie Boutesbkout gibt's in der Kreisliga B nur ganz selten.
Zu den Trümpfen der einzigen Mannschaft, die im alten Bezirk Mitte spielt, gehört auch der Platz an
der Kleinen Hamburger Straße. Vor allem, wenn viele Zuschauer kommen sind – einmal waren es etwa 400
beim Nachspiel der „Ersten“ – ist die Atmosphäre beeindruckend. Folgerichtig gab es auf eigenem Platz
keine Niederlage und lediglich drei Unentschieden. Damit war die Berolina die beste Heimmannschaft der
4. Abteilung. Und die gerade einmal 14 Heim-Gegentore weisen nach, wie gut die Blau-Weißen auf dem
engen Kunstrasenplatz agierten. Nebenbei: Besagter Fußballplatz war dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“
unlängst eine ganze Seite wert – er ist halt der einzige nahe dem Regierungsviertel.
Auf die Heimstärke will Ledwig nun aufbauen. Einen Wunsch hat er aber für die neue Saison: „Mir
fehlt ein Co-Trainer, der mich entlasten kann.“ Die einzige Bedingung: „Er muss zu uns passen.“
Manuel Fernandes
Die 96 Tore für BW Berolina Mitte II erzielten: Boutesbkout (25), Triebel (13), , Jaeck (10),
Strohwald (9), Riechmann (6), Riemann (6), Liesche (5), Dobberstein (4), Hille (4), Gutschow (2),
Thierschmann (2), Sagnic (2), Breng, Gutschow, Langer, Ledwig, Neumann, Reinsch, Rekowski und Schmitz.
"
Die Geschichtsschreiber lesen
"Berolina Mitte steigt erstmals in die Landesliga auf – Glücksgriff mit drei Trainer-Novizen
Alle lagen daneben: Bei einer Umfrage vor der Saison hatte kein Trainer in der Bezirksliga Berolina Mitte als Meistertipp auf dem Zettel.
Doch das Team aus dem Herzen Berlins, das in den Vorjahren stets Stammgast im Tabellenniemandsland war, trumpfte in der Saison überraschend
stark auf – und feierte am Ende den Titelgewinn. Die Konkurrenz war baff, Bero-Trainer Marco Kretschmer nicht: „Wir wussten, dass diese
Mannschaft mehr drauf hat als das was in den vergangenen Jahren erreicht wurde.“
Mit „wir“ meint der 32-jährige Kretschmer sich und seine gleichberechtigten Co-Trainer Marcel Jahn (27) und Dennis Rekowski (36). Das Trio
hatte vor einem Jahr bei Bero seine Spielerkarriere beendet und zusammen das Trainerzepter übernommen – ein absoluter Glücksfall für den
Verein, findet auch Fußball-Chef Uwe Ledwig: „Das Experiment mit den dreien, die ja alte Bero-Haudegen sind, hat funktioniert. Es passt
einfach.“ Gleich in ihrem ersten Trainerjahr schrieben Kretschmer/Jahn/Rekowski mit ihrem Team Geschichte. Bero in der Landesliga? Das
gab’s noch nie in der 62-jährigen Klubhistorie.
„Das mit der Vereinsgeschichte ist schön, aber viel schöner ist, wenn man zuschauen kann, wie die Erfolge unserer 1. und 2. Männer wieder
viele Menschen im Verein und im Umfeld mobilisieren konnte, sich einzubringen“, so Kretschmer. Stattliche 400 Zuschauer wurden auf dem
Heimplatz an der Kleinen Hamburger Straße gezählt, als Bero am 28. Spieltag, zwei Runden vor Schluss, mit einem 1:0 gegen den FC Nordost
das Aufstiegsticket löste – ein echtes Happening im Szenekiez.
Es steht die Frage im Raum, was die Trainer mit dem Team im letzten Sommer angestellt haben. Denn im Kern schaffte die Mannschaft den
Aufstieg, die in den Jahren zuvor nicht über das graue Mittelmaß hinauskam. „Wir haben die Kräfte gebündelt, die Zielsetzung definiert und
klare Richtlinien einer Mannschaftssportart ausgegeben“, meint Rekowski.
Der Masterplan wurde vom Start weg in die Tat umgesetzt. Ab dem 5. Spieltag zählte man zu den Top vier der Staffel und hielt sich konstant
in der Spitzengruppe. Vereinzelte Tiefschläge wurden gut weggesteckt wie beispielsweise die 1:7-Hinspielpleite bei Nordost (9. Spieltag), der
man einen 7:1-Kantersieg gegen den späteren Vizemeister Eintracht Mahlsdorf II folgen ließ. Durch einen starken Endspurt mit sieben Siegen
aus den letzten acht Saisonspielen zeigte man den Aufstiegsrivalen die Hacken und machte den Meister-Coup perfekt. „Lässt man die abgelaufene
Saison Revue passieren, war es ein komplettes Highlight mit ein paar Sahnehäubchen oben drauf“, meint Rekowski.
Entscheidend für den erfolgreichen Werdegang waren drei Faktoren: a) die mannschaftliche Geschlossenheit, „indem nicht der Einzelne sich
wichtig nahm, sondern ausschließlich der Teamerfolg im Vordergrund stand“ (Jahn), b) der ausgeglichene Kader, „es konnte jeder Ausfall
ebenbürtig kompensiert werden“ (Jahn) und c) die Heimstärke (14 Siege, 1 Remis, keine Niederlage).
Das Gerüst des Champions bildeten Harneit im Tor, Oser und Illig in der Abwehr, Linse und Zieger als Sechser sowie Kapitän Knospe im Sturm.
An der Seite dieses Führungs-Sextetts blühten vor allem Außenverteidiger Reinsch sowie die Stürmer Buchweiz und Liesche auf. Ein Extra-Lob
erhielt Ersatzkeeper Wolf von seinem Trainer. Wolf habe Harneit stets Druck gemacht und ihn damit zu Top-Leistungen beflügelt, so Kretschmer.
Auf das Erfolgsteam können Kretschmer, Jahn und Rekowski auch in der Landesliga setzen, es bleibt komplett zusammen. Mit Mittelfeldakteur
Werchan von NNW 98 steht ein erster Neuzugang fest.
Die Vorfreude auf die Premierensaison in der zweithöchsten Berliner Spielklasse ist groß, speziell auf „tolle Gegner, Traditionsvereine
und das Spiel mit Linienrichtern“, so Kretschmer. Vorstand und Trainer sind sich einig: Das Ziel kann nur „Klassenerhalt“ lauten. „Das“,
sagt Fußball-Chef Ledwig, „ist schon eine Herausforderung“. Lajos Metzel
Die 92 Tore für Berolina Mitte erzielten: Knospe (31), N. Lehmann (11), Buchweiz (9), Linse (6), Oser (5), Zieger (5), Tüfekci (5), D.
Lehmann (4), Knabe (3), Dobberstein (2), Illig (2), Rippel (2), Kotowski, Geral, Fiebach, Liesche sowie 3 Eigentore."
Für die Kinder hier lesen
"
Aus der Berlin-Liga aufgestiegen: Blau Weiss Berolina Mitte
Von Gerd Adloff
Wer, wie ich, seit 30 Jahren in Berlin-Mitte wohnt, hat einiges an Veränderungen erlebt. Viele kleine Läden sind verschwunden, mit ihnen
Kommunikationsorte im Viertel. Statt Evchen’s Seifenladen gibt es nun Galerien en masse, was ja auch schön ist. Aber man ist doch froh, daß es noch
zwei kleine Lebensmittelläden gibt. Ein Ort hat sich nur wenig verändert, der Sportplatz Auguststraße. Ein Kunstrasen hat den staubigen Hartplatz
ersetzt, neue Funktionsgebäude kamen hinzu, aber hier wird immer noch Fußball gespielt, was nicht selbstverständlich ist.
Den Raum für diesen Fußballplatz schufen die Bomben des 2. Weltkriegs. Er war, vermutlich, ein Provisorium, das Dauer bekam. Bespielt
wird der Platz vom SV Blau Weiss Berolina Mitte, ein Konstrukt der unmittelbaren Nachwendezeit, mit tiefen Ostwurzeln. Die hier beheimateten
Betriebssportgemeinschaften Motor Berolina und Medizin Mitte (in Blau-Weiß), schlossen sich, alte Rivalitäten überwindend, zusammen. Ob es ohne diese
vorausschauende Fusion hier noch Fußball geben würde, ist fraglich. Jährlich am Karfreitag gibt es ein Traditionsspiel zwischen den alten Kämpen der
beiden Vereine.
Der Platz in bester innerstädtischer Lage weckte durchaus Begehrlichkeiten. Investoren hatten mehr als einmal ein Auge auf das Gelände
geworfen, aber ihre Pläne konnten verhindert werden. Der Verbleib des Vereins an diesem Ort scheint gesichert, man hat mitunter andere Probleme.
Leute ziehen in die unmittelbare Nachbarschaft des nicht zu übersehenden Sportplatzes, beschweren sich, klagen gar, daß da tatsächlich Fußball
gespielt wird, und nicht völlig lautlos. Man darf das nicht unterschätzen. Zum Glück ist Berolinas engagierter Vorsitzender Thomas Meyer Anwalt.
So ein Kiezverein lebt von seinen Ehrenamtlichen. Stellvertretend für viele seien genannt: Uwe Ledwig, stellvertretender Vorsitzender und Trainer der
2. Männer, Manfred Willfahrt, langjähriger Vorsitzender, nun für die Finanzen verantwortlich. Nicht zuletzt Barb Habel, die Jugendleiterin. Ihr
Ressort ist Herzstück und Grundlage des Vereins. 19 Jugendmannschaften, davon zwei Mädchenmannschaften, trainieren und spielen hier. Mehr ist aufgrund
der Platzsituation leider nicht möglich.
Die Rolle, die hier speziell der Fußball für die Sozialisation, eben auch Integration der Kinder und Jugendlichen spielt, kann nicht hoch
genug eingeschätzt werden. Etwa 600 von 800 Mitgliedern sind Kinder und Jugendliche. Sie kommen aus vielen Ländern, auch dies ein Zeichen für die
Veränderungen in Berlin-Mitte. Wie kann man sich besser kennen- und verstehen lernen als mit Fußball? In der abgelaufenen Saison stiegen die C-Mädchen
in die Verbandsliga und die D-Jungen in die Landesliga auf.
Wer spielt, tut es des Spaßes wegen. Handgelder, Prämien, die in den Spielklassen durchaus vorkommen, gibt es bei Berolina nicht. Das gilt
auch für die 1. Männer, das Aushängeschild. In den Jahren vor der abgelaufenen Saison spielte sie in der Bezirksliga eine gute Rolle, aber nie ganz oben mit.
Vor der Saison übernahmen die bis dahin aktiven Spieler Kretschmar, Rekowski und Jahn das Training. Sie wissen um die Stärken und Schwächen jedes einzelnen.
Die Neuzugänge kannte man, wußte, daß sie in die Mannschaft passen. Es erwies sich als große Stärke des Teams, daß es schnell zu einer verschworenen Gemeinschaft
wurde, wo einer aufopferungsvoll für den anderen kämpft. Die Mannschaft spielte von Anfang an vorn mit und setzte sich letztendlich durch, wurde Aufsteiger in die
Landesliga und Staffelsieger.
Erstaunlich, zumal vor der Saison die beiden Routiniers Rizzi und Kotowski aus beruflichen Gründen Berlin verließen; Kotowski erzielte in seinem letzten
Spiel den umjubelten Siegtreffer in Hohen Neuendorf, ein kleines Fußballmärchen.
Wen soll man aus der Mannschaft hervorheben? Oser und Perlinski, die die Abwehr schwer überwindlich machten? Die einschlagenden Zugänge Linse und Nico
Lehmann? Torjäger Knospe, der es, trotz Verletzungsausfalls, auf 31 Tore brachte? Torwart Harneit, der gerade in der Schlußphase in überragender Form war? Das ist
ungerecht gegenüber den anderen, denn in fast jedem Spiel ragte ein anderer heraus.
Abgerundet wurde der Erfolg noch durch den Aufstieg der 2. Männer in die Kreisliga A. Beide Mannschaften blieben in der beendeten Saison zu Hause
ungeschlagen. Noch wichtiger als die Aufstiege ist es, daß es diesen Verein noch gibt, für die Mitglieder, den Kiez und die Kinder hier.
"
Immer da lesen
"Von Hüetlin, Thomas
Ortstermin: Wie ein Fußballverein in Berlin-Mitte seinen Platz gegen Spekulanten verteidigt
In einem rostigen Container gleich neben dem Eingang sitzt er und kann sein Glück kaum fassen. "735 Euro. Wahnsinn.
Rekordeinnahme", sagt er. Dann packt er die großen Scheine unter die Kasse. Nicht dass noch was wegkommt.
Eine Dame mit sehr blonder Frisur und sehr kurzen Hot Pants stöckelt Richtung Kasse. "Spielerfrauenrabatt", ruft
der Mann im Container. Eine Dame mit gelblicher Dauerwelle, so um die fünfzig, vor dem Mauerfall möglicherweise auch mal
Spielerfrau, schiebt sich heran. "Maria, da biste ja", sagt der Mann. Er heißt Frank Zeuschner und ist Kassierer, Platz-wart,
Jugendtrainer, Heftpflasteraufkleber, Ballaufpumper beim SV Blau Weiß Berolina Mitte.
Es gibt Vereine, wo man die Karte im Internet bestellen sollte, und es gibt Vereine wie Berolina Mitte, wo jeder
Zuschauer begrüßt wird wie in der vertrauten Kneipe. Selbst heu-te ist das so, beim Spiel um den Aufstieg in die Landesliga, "
dem wichtigsten Spiel seit 62 Jahren", wie Zeuschner sagt.
Der Platz von Berolina Mitte ist heute nicht mehr umgeben von Brachland und baufälli-gen Wohnblocks, sondern von
Geld, von teuren Galerien, Eigentumswohnungen, Bars. An der Stirnseite des Kunstrasen-Rechtecks hat sich der Erbe des
Wella-Konzerns ein Privatmuseum gebaut, dessen obere Etage von Menschen bewohnt wird, die 20 Euro für den Quadratmeter bezahlen
können.
Nicht nur die anderen Vereine machen Berolina Mitte Sorgen, auch die Spekulanten, die sich gern das nehmen würden,
was sie ein "Filetstück" nennen: den städtischen Boden, auf dem Berolina spielt.
Für Zeuschner und seinen Verein mit DDR-Vergangenheit ist es seit der Wende nicht besonders gut gelaufen. Ihr
größter Erfolg besteht darin, dass sie noch da sind. Zeuschner trägt Goldkettchen und ein Käppi der Billig-Zigarettenmarke
Mohawk und sagt: "Freiwillig geh ich hier niemals weg. Mich müssen se mit de Füße vorwärts hier raustragen."
Vorn auf dem Platz gibt es jetzt ein Geräusch, als würde eine 747 starten: eins zu null für Berolina Mitte.
Zeuschner taumelt, hält sich mit beiden Händen an der Kasse fest. Gleich ist Halbzeit. Dann darf er raus aus dem Container.
In seiner stahlblauen Trainingsjacke stapft er hinüber zum Grill, wo es das "Topspiel-Angebot, lange Bratwurst,
Brötchen für zwei Euro" gibt. Zeuschner schaut lange auf die Würste, deren Geruch vielen besserverdienenden Anwohnern ein
Graus ist und gegen den sie gern Unterschriften sammeln. Zeuschner, 52 und nicht schlank, bestellt Bratkartoffeln mit
Champignons. Nicht wegen der Besserverdienenden. Wegen seines Magens. Ein Arzt hat ihn letztes Jahr verkleinert. Eine
Bratwurst passe nicht mehr rein, sagt Zeuschner.
Zwei Jungs kommen auf Zeuschner zu. Sie fragen ihn, was das sei, "Landesliga", und wie weit der Weg von dort
in die Bundesliga. Zeuschner rechnet, geduldig. Sechs Spielklassen, sagt er. Unerreichbar. Im Hauptberuf arbeitet er als
Hausmeister an einer Schule, aber jeden Nachmittag, sieben Tage die Woche, widmet er sich seiner eigentlichen Lebensaufgabe:
dem Club.
Vier Kinder hat er großgezogen, jetzt schaut er nach den Kindern in Berlin-Mitte. Da sind Jugendliche, deren
Eltern wenig verdienen und die jetzt sehr deutlich merken, was sie sich alles nicht leisten können, seit die Besserverdienenden
auch im Viertel sind. Vor allem aber sind da Jugendliche, deren Eltern schnell zusammenkamen, sich schnell trennten, und die nun
erleben, dass andere Väter sich kümmern, ihre nicht. Sie haben keine Lust, zu Hause herumzusitzen und sind zu jung oder zu arm
für die Cafés in Mitte. Zu Zeuschner kann man gehen. Der ist immer da. Die Mitgliederzahlen seines Vereins haben sich in knapp
zehn Jahren auf rund tausend Kicker verdoppelt, und inzwischen schicken sogar Besserverdienende ihre Kinder dorthin.
Draußen auf dem Feld ist noch eine Minute zu spielen. Angst liegt über dem Platz. Ein Auswechselspieler klopft
Zeuschner auf die Schulter. In der Hand hält der Spieler eines dieser riesigen Weißbiergläser, die man aus der Sportschau kennt.
Es ist voll bis zum Rand. Zeuschner will nichts. Er will, dass die, die noch auf dem Feld stehen, den Ball ins Aus bolzen. Auf
die Straße, auf einen Balkon der Besserverdienenden. Hauptsache, es geht nichts mehr schief. "Hau weg das Ding, weg, weg, weg."
Mit dem Schlusspfiff steigen Feuerwerkskörper auf, rosa vor dunklen Wolken. Die Spieler reichen das Weißbierglas herum.
Sie trinken, sie duschen nicht damit.
Zeuschner schaut auf seine Uhr. Halb elf war er da, Platz hergerichtet, Spielbericht geschrieben, Kasse. 16.44 Uhr geht
seine Straßenbahn, die M6, bis S-Bahnhof Marzahn, dort lebt er jetzt. Eine gute halbe Stunde Fahrt, achter Stock. Er ist jeden
Tag in Mitte und kann sich dort keine Einraumwohnung mehr leisten, "das kann kein normaler Mensch".
Zeuschner spricht ohne Bitterkeit. Sein Club ist aufgestiegen. Landesliga. Wieder ein Stückchen schwerer, ihm das
wegzunehmen, was sein eigentliches Zuhause ist - dieses große Zimmer ohne Dach, mit Kunstrasen.
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Traumkulisse mitten im Kiez lesen
"Das soll Bezirksliga sein? Das Ambiente beim 4:1-Erfolg von Berolina Mitte über Hohen Neuendorf genügte höchsten Ansprüchen.
Von Markus Heim
Die Anwohner an der Kleinen Hamburger Straße müssen äußert verwundert gewesen sein. Der Geräuschpegel auf dem Sportplatz
im Herzen Berlins war beim durchaus beachtlich. Über 100 Zuschauer, teils in Liegestühlen, säumten die Seitenlinie.
Dazu ein Fanblock der Hausherren, der mit Trommeln, Sprechchören und Pyrotechnik ein wahres Spektakel veranstaltete.
Bezirksliga soll das sein? Die Kulisse zeugte wohl eher von bester Oberligatauglichkeit!
Sportlich bewarb sich Berolina Mitte ebenso für die zumindest nächsthöhere Liga. Im Duell mit dem direkten Konkurrenten
um die Aufstiegsplätze gelang den Kiezkickern ein deutlicher 4:1-Erfolg, der nur kurzzeitig in Gefahr geriet. Grundstein war vor
allem eine dominante erste Halbzeit der Hausherren. Zieger und Illig in der Defensive unterbanden die Angriffe der Gäste früh, Knospe
war im Sturmzentrum immer anspielbar. Ein Doppelschlag sorgte dann für die beruhigende Führung.
Erst drückte Illig einen guten Freistoß von Oser über die Linie. Zwei Minuten später überwand N. Lehmann Gäste-Torwart Kopmann
mit einem sehenswerten Heber, begünstigt durch einen Stellungsfehler von Abwehrmann Scekic. Dazu hätten sich die Gäste nicht beschweren
dürfen, hätte der gute Schiri Lortzing Scekics Abwehraktion mit der Hand im Strafraum als beabsichtigt gewertet (20.).
Hohen Neuendorf nahm erst nach der Pause richtig am Spiel teil. Scekic rückte ins Mittelfeld und Behrendt bekam im Angriff
bessere Unterstützung durch Urbanski. Nach dem Anschlusstreffer durch Harder rochen die Gäste plötzlich Lunte. Urbanski hatte die Möglichkeit
zum Ausgleich per Kopf (66.). „Ein Unentschieden wäre möglich gewesen.“, hielt Blau-Weiß Coach Reeder hinterher fest, „aber der Sieg für ‚Bero‘ ist
verdient.“ Denn Anton schwächte mit seiner Hinausstellung sein Team in der entscheidenden Phase (80.).
Das Spielschema
Berolina Mitte – BW Hohen Neuendorf 4:1 (2:0)
BEROLINA: Harneit – Reinsch (55. Knabe), Oser, Illig, Rippel – Zieger – N. Lehmann (86. Perlinski), Linse, D. Lehmann – Knospe, Buchweiz (74. Liesche).
HOHEN NEUENDORF: Kopmann – John, Scekic, Anton – Kasar, Thiel – Schmidt, Urbanski, Graumann (27. Harder) – Lemcke, Behrendt.
SR: Lortzing (1. FC Union) – z.Z.: 105.
TORE: 1:0 (14.) Illig; 2:0 (16.) N. Lehmann; 2:1 (61.) Harder; 3:1 (83.) Knospe; 4:1 (90.) Liesche.
GELBE KARTEN: D. Lehmann (F), Rippel (U).
ROTE KARTE: 80. Anton (Tätlichkeit).
BESTE SPIELER: Oser, Knospe, Zieger – Urbanski."
Wenn der Nachbar kein Fußballfan ist lesen
"Viele Fußballplätze in Berlin liegen mitten in Wohngebieten, entsprechend häufig kommt es zu Streit zwischen den Vereinen
und genervten Anwohnern. Gerichtsprozesse und eingeschränkte Nutzungszeiten stellen die Klubs dabei vor große Probleme.
Fußball kann laut sein. Das kriegen in Berlin auch einige Bürger zu spüren, die in unmittelbarer Nähe zu einem Sportplatz wohnen, wo
Trillerpfeifen und Anfeuerungsrufe zum Alltag gehören. So haben in der Hauptstadt nicht nur Nachtklubs und Lokale mit Anwohnerbeschwerden
zu kämpfen, sondern auch zahlreiche Fußballvereine.
Das Problem ist dabei, dass die Klubs oft nur einen einzigen Sportplatz zur
Verfügung haben, um sämtliche Trainings- und Spieltermine aller Jugend, Erwachsenen- und Seniorenmannschaften unterzubringen, somit
sind gerade die Plätze in den dicht bewohnten Stadtgebieten meist voll ausgelastet.
Das Gute ist, dass ein Großteil derjenigen, die einen Fußballplatz in der Nachbarschaft haben, offenbar kein Problem mit dem Lärm haben.
Schlecht für die Vereine ist allerdings, dass oft schon ein einziger Anwohner mit Lärmbeschwerden ausreicht, um den Spiel- und Trainingsbetrieb erheblich zu stören.[...]
[...] Im Kernbezirk Mitte gibt es überhaupt nur einen einzigen Sportplatz, was angesichts der hohen Grundstückswerte
auch nicht verwundert. Mitten in Wohnhäuser eingebettet zwischen Linien- und Auguststraße liegt der Kunstrasenplatz des BW
Berolina Mitte. Die Fenster und Balkons hängen hier zum Teil nur wenige Meter von der Seitenlinie entfernt, doch
Beschwerden gibt es dem 1. Vorsitzenden, Thomas Meyer, zufolge kaum. „Eine Anwohnerin hatte mal die Polizei gerufen, doch
das ist jetzt schon einige Jahre her“.
Meyer weiß sogar von mehreren Anwohnern, dass sie froh sind, den Fußballplatz direkt
vor dem Fenster zu haben, schließlich gäbe die freie Fläche viel Licht und sei weniger störend als z.B. eine Straße. Mehr Sorgen
hatte der Klub davor, dass der Bezirk sich irgendwann dazu entscheiden könnte, die attraktive Fläche zu veräußern. Vor zehn
Jahren hatte man gegen eine mögliche Bebauung demonstriert, inzwischen ist die Sportstätte aber offiziell im Flächennutzungsplan
des Bezirks festgeschrieben, auch weil es eben keine angemessene Ausweichstätte in Mitte gibt. „Mittlerweile fühlen wir uns hier
sicher und haben einen enormen Mitglieder-Zuwachs. Ich glaube nicht, dass sich da irgendeine Partei an eine Bebauung rantrauen würde.“
zeigt sich Meyer zuversichtlich.[...]"
BFV-Integrationspreis lesen
"Der Sieger: Hohen Neuendorf
BFV-Integrationspreis geht in den Speckgürtel – BSR bleibt Sponsor
Von Horst Bläsig
Zwischen dem Training und dem gemeinsamen Abendessen der Nationalmannschaft machte er sich auf den Weg nach Tempelhof.
Dort, im schmucken Bildungs- und Informationszentrum der Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR), hatte Oliver Bierhoff am vergangenen
Mittwoch einen Termin, der für ihn mehr war als eine reine Pflichtaufgabe. Gemeinsam mit dem Bernd Schultz, dem Präsidenten des Berliner
Fußball-Verbandes (BFV), und Mehmet Matur, dem BFV-Integrationsbeauftragten, verlieh der Manager der Nationalmannschaft den BFV-Integrationspreis
2010 und zeichnete die weiteren Preisgewinner des diesjährigen Wettbewerbs aus.
„Integration ist eine wichtige Aufgabe in Deutschland“, sagte Bierhoff, „es geht dabei nicht nur darum, junge Fußballer
zu gewinnen. Integration ist wichtig für den gesellschaftlichen Frieden und für die Zukunft Deutschlands. Dass dieser Integrationspreis in Berlin
verliehen wird, ist eine sehr gute Sache.“ Den mit einem Scheck der BSR in Höhe von 4000 Euro verbundenen Hauptpreis erhielt diesmal ein
Verein, der zwar im Land Brandenburg ansässig ist, fußballerisch aber traditionell zu Berlin gehört und am Spielbetrieb des BFV teilnimmt: der
SV Blau-Weiss Hohen Neuendorf.
Den mit 2000 Euro von der Gegenbauer Holding dotierten zweiten Platz belegte der LFC Berlin, bei dem mehr als 900 Jugendliche aus
38 (!) Nationen aktiv sind. Dritter wurde der Mariendorfer SV 06 (1000 Euro Preisgeld der Rechtsanwaltskanzlei Grawert Schöning und Partner) für
sein Projekt zur Integration von Häftlingen der Jugendstrafanstalt Berlin. Ein Sonderpreis ging an den Viertplatzierten, BAK 07. Ausgezeichnet wurden
zudem die Ränge fünf bis zehn. Eine Podiumsdiskussion zum Thema „Integration durch Sport – Mädchen und Frauen mit Migrationshintergrund im Fußball“ rundete
den Abend ab.
Der Bezirks- (Männer) und Regionalligist (Frauen) Hohen Neuendorf hatte anlässlich der WM 2010 in Südafrika ein Fußballturnier für Vorschulkinder
aus Kitas des Landkreises Oberhavel organisiert. Bei der Mini WM „Afrika“ wurden die Kinder über den Sport hinaus für fremde Kulturen begeistert. Im Vorfeld des
Turniers hatten sich alle Teilnehmer bei Projektarbeiten in Kitas und Horten mit dem afrikanischen Kontinent auseinandergesetzt. Die Ergebnisse in Form von
Bildern, Collagen und anderen Darstellungen wurden am gut besuchten Veranstaltungstag präsentiert. Insgesamt 97 Kinder nahmen am Turnier teil.
Zur Frauen-WM 2011 wird das Projekt weitergeführt.
„Die Hohen Neuendorfer Initiative ist von großer Nachhaltigkeit geprägt“, lobte BFV-Chef Schultz und hob noch einmal die Bedeutung der Integrationsarbeit
hervor: „Sie findet täglich auf vielen Fußballplätzen Berlins statt. Viele Vereine leisten hier Vorbildliches. Diese Arbeit kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.
Um diesen Vereinen und den vielen in der Integrationsarbeit tätigen Personen Dank und Anerkennung entgegenzubringen und gleichzeitig ein Stück weit Unterstützung für die
Arbeit zu leisten, hat der BFV den Integrationspreis ausgerufen.“ Dabei hat der BFV auch in den kommenden zwei Jahren mit der BSR einen starken Partner an seiner Seite.
Die zehn Ausgezeichneten
- Platz 1 (Hauptpreis 4000 Euro):
- SV Blau-Weiss Hohen Neuendorf - Mini WM 2010 "Afrika"
- Platz 2 (2000 Euro):
- LFC Berlin - Tägliche Vereinsarbeit als kontinuierlicher Beitrag zur Integration
- Platz 3 (1000 Euro):
- Mariendorfer SV - Durchführung eines Fußballturniers in der Jugendstrafnanstalt Berlin
- Platz 4 (Sonderpreis, ein Satz Trikots):
- Berlin Ankaraspor Külübü 07 - Integration von Mädchen und Frauen mit Migrationshintergrund
- Platz 5: FV Blau-Weiss Spandau - Jugendarbeit im Brennpunkt Spandauer Wilhelmstadt
- Platz 6: SV Blau Weiss Berolina Mitte - Fußballturnier mit Schulen unterschiedlicher religiöser Ausrichtung und hohem Migrationsanteil
- Platz 7: KSF Anadolu-Umutspor - Integrationsturnier und tägliche Integrationsarbeit
- Platz 8: FC Spandau 06 - Fußball als Alternative für Kinder und Jugendliche in sozialen Brennpunkten
- Platz 9: BSV Hürtürkel - Afrika Cup 2010 und andere Integrationsturniere
- Platz 10: SC Borsigwalde 1910 - Tag gegen Ausländerfeindlichkeit
Die bisherigen Sieger
2008 – 1.: 1. FC Union, 2.: Stern 1900, 3.: Türkiyemspor. 2009 – 1.: BSV Al-Dersimspor, 2.: FSV Hansa 07, 3.: FC Internationale. Die zehnköpfige Jury Vera Gäde-Butzlaff,
Vorstandsvorsitzende der Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR); Kirsten Fussan, Präsidentin des Behinderten-Sportverbandes Berlin; Claus Kohls, Personaldirektor der Gegenbauer
Holding SA & Co. KG; Thomas Meyer, Rechtsanwalt der Kanzlei Grawert Schöning und Partner; Özcan Mutlu, Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses; Günther Piening, Senatsbeauftragter
für Integration und Migration; Bernd Schultz, Präsident des Berliner Fußball-Verbandes; Swen Schulz, Bundestagsabgeordneter; Hans-Georg Wieck, Vorstand der Deutschen Klassenlotterie
Berlin; Horst Bläsig, Chefredakteur der Fußball-Woche."
Mini-WM: Die wahren Weltmeister sind Griechenland, Spanien, England und Argentinien lesen
"Mit der Hilfe von SV Blau Weiss Berolina-Mitte trug die Papageno-Schule eine WM aus - noch viel spannender, als die in Südafrika.
Eine kleine Sportreportage von Holger Kulick (SV Blau Weiss Berolina Mitte).
Wenn es aus Schülersicht im letzten Schulhalbjahr der Papagenogrundschule neben einer Zirkusprojektwoche noch ein weiteres
herausragendes Ereignis gab, dann war es das: Die Papageno-Fußball-Weltmeisterschaft 2010.
Jede Klasse der nicht nur vuvuzuelamusikalischen Grundschule, die zwischen Invaliden- und Bergstraße liegt, vertrat ein Land
(das auf der Klassensprecherkonferenz zugelost wurde), lernte viel darüber im Unterricht kennen und bastelte sich passende Trikots, Fan-Zubehör
und mehr. Dann traten einen ganzen Vormittag über alle Klassen jahrgangsweise gegeneinander an. Zunächst in einer Vorrundengruppe jeder gegen
jeden, dann ermittelten die Erst- und Zweitplatzierten in K.O.-Rundenspielen die Finalteilnehmer. Auf diese Weise spielten die sogenannten
JÜL-Klassen (das sind die jahrgangsübergreifenden 1.,2.und 3. Klassen) untereinander ihren Weltmeister aus (dort reüssierte Griechenland 2:0 über
Portugal), dann ermittelten die 4. Klassen ihren Champion (im Elfmeterschießen 6:5 gegen Portugal war das Argentinien), bei den 5. Klassen dominierte
Spanien 2:1 über Mexiko und unter den 6. Klassen setze sich knapp durch ein alles entscheidendes Strafstoßtor mit 1:0 England gegen Kroatien durch, das
sich in dieses WM-Turnier gemogelt hatte.
Hochspannung war in jedem Jahrgang garantiert, denn fast jede der rund 11minütigen Begegnungen war packender als bis dahin etliche Vorrundenspiele
der ‚echten’ WM. Es gab ja auch einen Anreiz. Erstens natürlich die Ehre Erster beim ‚Klassenkampf’ zu werden, und zweitens winkten allen Siegern ganz
selbstverständlich echte Weltmeister-Pokale sowie allen Verlierern Trostpokale mit der Aufschrift „Beinahe-Weltmeister“, die der Schul-Förderverein gespendet hatte.
Die Idee hatten wir im benachbarten Sportverein Blau Weiß Berolina Mitte geboren - maßgeblich Eltern und Spieler der F4. Es gab dort zunächst den
Vorschlag, während der WM mit mehreren ‚Bero’-Mannschaften gleichaltrige Schulklassen herauszufordern, als kleines Dankeschön, weil unser Verein nachmittags
auf dem Papageno-Schulsportplatz trainieren darf. Aber die Spieler verwarfen diese Turniervariante schnell. Ihr Argument: „Zu viele Papageno-Schüler trainieren
doch auch in Bero-Teams“, denen würde es das Herz zerreißen, müssten sie sich entscheiden, wo sie lieber spielen - für 'ihre' Klasse oder lieber 'ihren' Verein.
Also entstand der nächste Plan: „Dann muss der SV Berolina-Mitte einfach der Schule helfen, so ein WM-Turnier allein zu stemmen“. Gesagt, getan.
Erster Anlaufpunkt war die Klassensprecherkonferenz, wo das Vorhaben umgehend auf Gegenliebe stieß und zum Dauergesprächsstoff wurde. Regeln wurden aufgestellt, nicht so streng wie
im ‚richtigen’ Jugendfußball sollte es zugehen (wo ein Torwart dämlicherweise nicht über die Mittellinie spielen darf). Stattdessen wurde allerdings eine andere Sonderregel
erfunden, die festschrieb, dass in jeder Mannschaft auf dem Platz mindestens 2 Mädchen spielen müssen. „Die können doch nix“, „Wir haben gar keine Mädchen, die sich für
Fußball interessieren“ war umgehend eine oft gehörte Jungenreaktion. Aber die Regel blieb in Stein gemeißelt - und zeigte Wirkung. Plötzlich trainierten auch
Mädchen wie selbstverständlich in den Hofpausen auf dem Schulsportplatz mit und in der Jahrgangsstufe 123 siegte am Ende mit Griechenland ein Team, das zeitweise
sogar vier Mädchen(!) in seiner siebenköpfigen ‚Mannschaft’ antreten ließ.
Der Weg, das Turnier durchzusetzen, war allerdings gar nicht so einfach. Zunächst wurde das Projekt im Förderverein, auf der Gesamtelternvertretung
(GEV) und der Sportlehrerinnenfachkonferenz der Schule vorgestellt - überall stieß es auf Anhieb auf Begeisterung, bei einigen Lehrern überwog jedoch überraschende
Skepsis, sie reagierten zögerlich. „Passt das überhaupt noch in den Lehrplan?“ „Wir machen doch schon eine Zirkusprojektwoche!“ „Ist das ordnungsgemäß auf der
Schulkonferenz zu Schuljahrsbeginn beschlossen worden?“ „Was soll ich als Lehrerin tun, wenn mich Fußball gar nicht interessiert und meine Schüler bestimmt auch
nicht?“ waren fußballgottseidank nur vereinzelte Gegenargumente. Außerdem hatten die Schüler das Projekt längst unumkehrbar ins Rollen gebracht.
Der Terminkalender der Weltfußballorganisation FIFA kam ihnen zu Hilfe. Das ‚richtige’ WM-Spiel Deutschland-Serbien war für den 18.6. terminiert
worden, mitten während der Schulzeit um 13 Uhr 30. Außerdem mussten am 17.6. die Noten bereits feststehen. Und die Zirkusprojektwoche begann erst ein paar Tage
später. So war eine Punktlandung möglich. Der Vorschlag lautete: von morgens bis mittags Turnier und direkt anschließend LIVE-Übertragung aus Südafrika für alle
in der Turnhalle. Das Schulamt gab unkompliziert das grüne Licht für kommerzfreies Public Viewing, ein Vater, der beim Fernsehen arbeitet, organisierte die Technik, wir
tüftelten den Spielplan aus und der SV Berolina-Mitte stellte ‚Profi-Schiedsrichter’ und Schiedsgericht. Die Schulleitung organisierte, dass es zwischendurch flexibel
Mittagessen für alle gab. Und hintendran hing der Förderverein noch den jährlichen Schulflohmarkt, damit dort bei selbstgebackenem Kuchen der (Spiel)Tag gemütlich ausklingen kann.
Und dann fand tatsächlich ein Fußball-Traumtag statt. Einziges Malheur: ein Schüler verletzte sich leicht bei einem unabsichtlichen Foulspiel. Und eine
einzige Furcht der Lehrer blieb: Als absolutes Finale wurde um 13 Uhr ein Endspiel Lehrer gegen Schüler angesetzt. Jede Klasse sollte ihren besten Turnier-Spieler
bzw. ihre Spielerin des Tages nominieren, und da es 15 Klassen gibt, sollten folgerichtig 15 Schüler in einer ‚Weltklasse(n)elf’ gegen 8 bis 10 Lehrern und hilfsweise
Eltern antreten. Bei denen sollten es etwas weniger Spieler(innen) sein, weil Lehrer schließlich ‚größer’ sind. „15 gegen 10, das ist doch ungerecht!“, „Wir werden
vorgeführt“, „Die Kleinen spielen so super und wir haben gar keine Übung“, nahmen einige Lehrer dieses Endspiel viel zu ernst und wollten sich schon drücken. Doch dann
erlebte das Kollegium eine faustdicke Fußballüberraschung.
Anfangs standen fairerweise tatsächlich nur 10 Schüler auf dem Platz, nachdem aber zwei Väter gleich etwas übermotiviert (sowie schubsend!) das 1:0 für
die ‚Großen’ erstürmten und vor lauter Fußballfieber vergaßen, dieses Schluss-Spiel als reinen Spielspaß aufzufassen, startete die offensive Gegenoffensive. Zunächst
heimlich wurde von nun an alle 10 Sekunden ein Schüler mehr aufs Spielfeld geschickt und nach 5 Minuten der Platz ganz mit Schülern ‚geflutet’. Ein wahres Schülermeer
drängte nun das knappe Dutzend Lehrer einfach Richtung Strafraum ab, so dass der extra angeheuerte Spielmoderator MC Lücke vom Soccer-Team von ‚Radio Fritz’ via Mikro
einräumen musste: „Ein sensationell eigenwilliges Spiel, aber keiner kann den Ball mehr entdecken!“
Doch dann landete das Leder – wie taktisch beabsichtigt - mitten aus dem undurchschaubaren Gewühl heraus per Kunstschuss im Lehrer-Tor. 1:1 und Abpfiff! Mit
diesem fairen Resultat durften alle gemeinsam jubelnd nach Hause gehen. „So ein schönes Finale“ strahlten nun sogar all die Lehrer, die vorher Bedenken trugen. Und ein Rückspiel
im neuen Schuljahr ist schon so gut wie abgemacht.
Ein ganz liebes Dankeschön allen, die sich begeistern ließen und bei der Hitze mitgespielt und mitgeholfen haben!"
Kicken in Mitte lesen
"Der Fußballplatz von Blau-Weiss Berolina Mitte, im Dreieck zwischen Auguststraße und Linienstraße, ist
unschwer als Geschenk der alliierten Bomber an Berlin zu erkennen. Zwischen Brandmauern und inzwischen
auch großzügig verglasten Luxuswohnungen, wo abwechselnd Christian Kracht, Brad Pitt und Wim Wenders
wohnen sollen, wird hier seit 60 Jahren Fußball gespielt, früher auf Schlackeboden, inzwischen auf
betonhartem Kunstrasen, für mehr hat das Geld Anfang der 90er nicht gereicht.
Wenn ich hier mit der Autorennationalmannschaft, die dem Verein „Bero“ beigetreten ist, jeden Montag trainiere,
fühlt es sich manchmal an, als sei Berlin-Mitte noch ein wenig wie früher, als es Baulücken gab, in
Eigeninitiative begrünte Hinterhöfe, und keine Sonnenbrillen-Idioten, die einem in ihren Coupés die
Vorfahrt nehmen. Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass es diesen einzigen Großfeldplatz in Mitte
noch gibt, denn es gibt viele Investoren, die hier bauen wollen. Natürlich wäre das eine Katastrophe
für die Jugendarbeit im Bezirk, aber so etwas war in den vergangenen zwei Jahrzehnten in der Berliner
Stadtplanung ja selten ein Argument.
Sportplätze sollten wie Friedhöfe bis in alle Zukunft für die Bebauung tabu sein. Leider galt das
schon nicht für das Areal des „Stadions der Weltjugend“, wo kürzlich eine moderne Turnhalle der Humboldt-Universität
abgerissen wurde, damit der BND dort bauen kann. Dafür hamse Jeld!
An diesem Sonnabend wird die Fußballnationalmannschaft der Autoren, die gerade zum ersten Mal in ihrer Geschichte
Europameister geworden ist, bei „Bero“ ihr 4. Erich-Mühsam-Kleinfeld-Turnier veranstalten. Da manche unserer
westdeutschen Mitglieder nicht mehr wissen, wer dieser Autor war, ist auch das eine Integrationsmaßnahme. Zudem gibt
es Grillware, Bier vom Fass und schöne Körper zu sehen. Eintritt ist frei, für Frauen ganz besonders. Jochen Schmidt"
Autoren-Nationalmannschaft lesen
"Anpfiff zum Kick der Weltliteraturen
Die Autorennationalmannschaft, kurz Autonama, ist ein Fußballteam aus Schriftstellern: Romanciers, Lyriker, Dramatikern. Gegründet im
Spätsommer 2005 kicken sie seitdem im Rahmen der Writers’ League oder beim Schriftsteller-„Wor(l)d Cup“ gegen andere Künstler- oder
Literaten-Mannschaften aus allen Nationen der Welt und gewinnen dabei immer: an Erfahrung, Ausdrucksvermögen, Freundschaften.
Die Gründung der deutschen Autorennationalmannschaft verdankt sich dem als Fußballfan bekannten Autor Thomas Brussig. Für ein
Turnier mit vier europäischen Schriftstellerteams in einem toskanischen Dörfchen hörte er sich nach kickenden Autoren um und organisierte keine
zwei Monate später ein Trainingslager in der mecklenburgischen Provinz. Vor allem engagierte er auch gleich einen Trainer mit ebensoviel fußballerischen
Sachverstand wie Wortwitz: Bundesligatrainer Hans Meyer. Meyer begleitete das Team auch in die Toskana, wo nach einem 1:0 Halbfinalsieg gegen Italien
das Finale mit 0:5 gegen Schweden verloren wurde.
Bereits zur ersten Autoreneuropameisterschaft im eigenen Land reiste das Team im Juni 2006 mit 20 Mann nach Bremen an. Trotz der
numerischen Stärke und des professionellen Coachings von Ex-Bundesligatrainer Uwe Rapolder wurde nach einer 2:3 Halbfinalniederlage gegen Schweden
und einem 0:3 gegen Ungarn diesmal nur der 4. Platz erreicht. Die taktischen Defizite und der hohe Anteil von Berliner Schriftstellern veranlasste
das Team, einen festen Trainingstermin in der Hauptstadt einzurichten. Seit August 2006 kicken die deutschen Autoren jeden Montagabend auf dem Platz
von Blau-Weiß Berolina Mitte in der Kleinen Hamburger Straße, mitten in Berlin.
Die Zukunft der mittlerweile rund 40 Spieler umfassenden Mannschaft erscheint – trotz regelmäßiger Verletzungsausfälle – sowohl auf als auch
neben dem Platz verheißungsvoll: Nachdem die Autonama im Juni 2007 in Nürnberg unter der erneuten Leitung Hans Meyers ein Trainingslager absolvierte und
bei der Autoreneuropameisterschaft um den Word Cup im schwedischen Malmö den dritten Platz belegte, erschien im März 2008 bei Suhrkamp die gemeinsame Anthologie
„Titelkampf“ mit Fußballgeschichten. Den besonderen literarischen Kick verleiht dem Projekt seither die intensive Zusammenarbeit mit der DFB-Kulturstiftung, die unter
Schirmherrschaft von DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger sowie in Zusammenarbeit mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier, den fußballerischen Kulturaustausch mit
besonders beziehungsreichen Länder ermöglicht.
Bisheriger Höhepunkt war das Gastspiel der israelischen Schriftsteller-Nationalmannschaft in Berlin sowie das Rückspiel bei einem Turnier in Tel Aviv, an
dem auch England teilnahm. Ehe zur Fußball-WM 2010 eine Begegnung mit südafrikanischen Künstlern geplant ist, kommt es im Stadion am Millerntor im Rahmen des Hamburger
Harbourfront Literturfestival nun zum Aufeinandertreffen mit den fußballbegeisterten türkischen Schriftstellern. Wie immer folgt auf der Begegnung auf dem Platz eine
gemeinsame Lesung, bei der sich beide Teams literarisch kennenlernen."
30 Stunden Fußball zum Vereinsjubiläum lesen
"Berolina Mitte gibt zu Pfingsten eine Kiezparty
Uwe Aulich
Der SV Blau Weiss Berolina Mitte feiert am Pfingstwochenende sein 50jähriges Jubiläum. Auf dem Kunstrasenplatz an der Auguststraße findet Sonnabend, Sonntag
und Montag ein großes Fußball-Nachwuchsturnier mit 50 Mannschaften statt. Auch 13 Vereine aus dem Bundesgebiet werden anreisen. Wie Vereinsvorsitzender Manfred Willfahrt
sagt, soll die Feier zu einem großen Fest im Kiez mit Malstraße, Rutsche, Torwandschießen und Streetball werden. Außerdem gibt es mindestens 30 Stunden Fußball und eine Tombola.
Mehr als 500 Fan-Artikel haben Bundesligavereine zur Verfügung gestellt. "Fast alle sind dabei, nur Hertha BSC hat sich nicht gemeldet", sagt Willfahrt.
500 Fußballer trainieren
Bei Blau Weiss Berolina trainieren etwa 500 Fußballer. Weitere Sektionen sind Gymnastik, Kegeln und Boxen. Den Namen Berolina Mitte 49 trägt der Verein seit 1992.
Damals hatten sich die beiden Betriebssportgemeinschaften Motor Berolina und Medizin Mitte zusammenschlossen. Sie waren 1949 gegründet worden. Größter Vereinserfolg war bislang
der Aufstieg der ersten Männermannschaft in die Kreisliga A im vergangenen Jahr.
Das Pfingstturnier findet noch immer auf einem zu kleinen Fußballfeld statt. Weil der Platz acht Meter zu kurz ist, brauchte Blau Weiss in den letzten Jahren eine
Ausnahmegenehmigung des Fußballbundes. Nach Pfingsten soll nun der Kunstrasenplatz verlängert werden. Eine alte Fischhalle, die im Weg steht, wird bereits abgerissen. Außerdem werden
die Umkleideräume und Sanitäranlagen komplett saniert. Mehr als eine halbe Million Mark stehen für den Sportplatz Auguststraße aus dem Sportanlagensanierungsprogramm zur Verfügung.
Auch ein privater Investor wird eine sechsstellige Summe für die Umgestaltung beisteuern."
Sportplatz wird Fußball-Norm angepaßt lesen
"Spielfeld an Auguststraße künftig acht Meter länger
Uwe Aulich
MITTE. Der einzige, große Sportplatz des Bezirks an der Auguststraße wird 1999 vergrößert, damit er den Normen des Deutschen Fußballbundes (DFB) entspricht.
Bislang durften die Fußballer des SV Blau Weiss Berolina Mitte 49 dort nur mit einer Ausnahmegenehmigung ihre Punktspiele in der Kreisklasse austragen. Der Kunstrasenplatz
ist nämlich knapp acht Meter zu kurz. "Wir werden die Spielfläche im nächsten Jahr in der Sommerpause auf mindestens 90 Meter verlängern", sagt Bürgermeister Joachim Zeller (CDU).
Etwa 300 000 Mark wird die Erweiterung kosten. "Das Geld müssen wir uns regelrecht abknapsen", sagt Zeller. Das Fußballfeld sei aber die einzige wettkampfgerechte
Sportstätte im Bezirk und deshalb unverzichtbar. Außerdem soll die Verlängerung auch ein "Geschenk" an den Verein sein, der 1999 sein 50jähriges Bestehen feiert.
Laut Sportamtschef Ulrich Schmidt müssen unter der Fläche, die künftig zum Fußballfeld gehören soll, alte Kellergewölbe ausgebaggert werden. Außerdem wird die ehemalige
Fischhalle abgerissen. Möglich wird die Platzerweiterung, weil der Bezirk jetzt einen kleinen Teil des Grundstücks Linienstraße 158, das jahrelang von Hausbesetzern belegt war, anmieten konnte.
Der Sportplatz an der Auguststraße, der mitten im Sanierungsgebiet Spandauer Vorstadt liegt, wird vormittags von neun Schulen für den Sportunterricht genutzt. Ab 15 Uhr dürfen dann
die 495 Fußballer von Blau Weiss Berolina ran. Bis spät in den Abend trainieren dort 15 Jugend- und vier Männermannschaften. "Wir sind ein richtiger Kiezverein und haben selbst viel Arbeit in den Platz
gesteckt", sagt der erste Vorsitzende, Manfred Willfahrt. Als 1994 der Sportplatz für knapp 1,5 Millionen Mark Kunstrasen, Laufbahn, Sprunggrube und Kugelstoßanlage erhielt, haben die Vereinsmitglieder
für 120 000 Mark die Trainingsbeleuchtung installiert, die Umkleidebaracke gemalert und die Heizungsanlage erneuert.
Trotzdem sind die Umkleideräume und die Sanitäranlagen in einem katastrophalen Zustand. Laut Finanzstadtrat Jens-Peter Heuer (PDS) stehe der Bezirk deshalb mit einem Investor in
Verhandlungen, der auf dem Grundstück Auguststraße 68 bauen will. Dieser habe sich bereit erklärt, für eine sechsstellige Summe neue Sportgebäude zu errichten und sie dem Bezirk zu überlassen.
Bauherr Jürgen Stoye bestätigt das Vorhaben. Eine Vereinbarung mit Stoye soll laut Bezirksamt bis Mitte 1999 unterschrieben werden.
Der Sportplatz Auguststraße wird mindestens bis zum Jahr 2003 bestehen bleiben. So sehen es die Festlegungen für das Sanierungsgebiet vor. Langfristig allerdings soll die Kleine Hamburger
Straße, die ursprünglich quer über den Platz führte, wieder gebaut werden. Bürgermeister Zeller kann sich das aber erst vorstellen, wenn das Defizit an Sportflächen in Mitte beseitigt ist. Für den Bau eines
kleinen Stadions auf dem Nordbahnhof hat der Bezirk frühestens im Jahr 2002 Geld."
